#thepanamericana100project: Das Ende der Welt ist erst der Anfang

Einmal die komplette Panamericana fahren – in nur 100 Tagen. Das war der Traum von Rainer Behrendt und Jan Bongers. Im Frühling 2026 brachen sie im Cayenne zur Reise ihres Lebens auf: über 40.000 Kilometer durch 15 Länder. 

Irgendwo in den Anden versagt Jan Bongers’ Nervensystem. Seit Tagen fahren er und Rainer Behrendt schon durch die längste Gebirgskette der Welt. Auf der beschwerlichen Passage zwischen Salta in Argentinien und San Pedro de Atacama in Chile führt ihr Weg auf mehr als 4.500 Meter. Und plötzlich: rasende Gedanken, Konzentrationsschwäche, Schwindel. Jan Bongers hat es erwischt – Höhenkrankheit! Und dann bereitet auch noch der Cayenne Probleme. Die Reise, die die beiden Freunde von Feuerland bis nach Alaska führen sollte, scheint schon wenige Tage nach dem Start auf der Kippe zu stehen. 

Mit ihrem #thepanamericana100project erfüllen sich der Deutsche Behrendt, 54 Jahre alt, und der Niederländer Bongers, 57, einen Lebenstraum: einmal die Panamericana fahren – und zwar in 100 Tagen. Seit mehr als 15 Jahren sind die beiden befreundet, Porsche-Trips in die Alpen gehören längst dazu. Doch im März 2026 legen sie die Messlatte höher: eine Reise von Feuerland bis nach Alaska. Natürlich im Offroad-Alleskönner Cayenne – keine Frage für Behrendt, den Präsidenten des Porsche Clubs Mainz. Doch die Reise soll mehr sein als ein Abenteuer. Im Jahr zuvor ist Behrendts Schwiegermutter an ALS gestorben, nun wollen sie Aufmerksamkeit für diese tückische, bislang unheilbare Krankheit schaffen und Spenden für die ALS-Forschung sammeln. Bei der Amyotrophen Lateralsklerose (ALS) werden motorische Nervenzellen in Gehirn und Rückenmark unwiederbringlich geschädigt. Die Krankheit endet tödlich, weltweit ist die Forschung auf Spenden angewiesen. Der auffällig folierte Cayenne mit dem Motto „Race against ALS“ wird unterwegs zum Gesprächsanlass – und öffnet Türen zu einzigartigen Begegnungen. Der Christophorus hat mit Behrendt und Bongers gesprochen und tiefe Einblicke in ein modernes Abenteuer erhalten. Dies ist ihre Geschichte.

Ushuaia, Panamericana, 2026, Porsche AG
Startschuss: In Ushuaia beginnt die Mission für die Cayenne-Besatzung.

Rainer Behrendt: am Ende der Welt

März, 2026: im Süden Feuerlands. Auf dem Beagle-Kanal lehne ich mich an die Reling und spüre eine Träne auf meiner Wange. Es ist das erste Mal seit Wochen, dass ich einen ruhigen Moment für mich genieße. Was alles passiert ist in der letzten Zeit. Der Tod meiner Schwiegermutter vor einem Jahr. Die Reisevorbereitungen. Die Kündigung bei meinem Arbeitgeber nach 27 Jahren, um mir diesen Traum zu erfüllen. Die Ankunft in Buenos Aires. Der Roadtrip hierher. Und jetzt: Ushuaia, Feuerland, Aufbruch. Wir haben schon so viel erreicht und noch gar nicht angefangen. Ushuaia ist kein besonders schöner Ort. Dafür ist er schön besonders. Das Ende der Welt ist für uns erst der Beginn. In zwei Tagen geht es los.

Jan Bongers: auf dem Eis

Von Ushuaia aus kennen wir nur eine Richtung: nach Norden. Unsere Stopps müssen wir sorgfältig planen, denn die Schönheit von Feuerland wartet verlockend hinter der Windschutzscheibe. Man will aussteigen, dieses unwirkliche Land genießen und jeden Moment auskosten. Nach rund 1.000 Kilometern thront westwärts jedoch der Perito Moreno im Nationalpark Los Glaciares. Ein Muss! Als eines der größten Naturwunder unseres Planeten ist er einer der wenigen Gletscher, die trotz des Klimawandels stabil bleiben oder wachsen. Spätestens als wir mit unseren Füßen auf dem Eis stehen, wird uns bewusst, was diese Reise für uns bedeutet. Es ist ein Privileg, hier zu sein. 

Rainer Behrendt, Jan Bongers, Perito Moreno, Panamericana, 2026, Porsche AG
Das erste Highlight für Rainer Behrendt und Jan Bongers (v. l. n. r.): Der Perito Moreno, einer der spektakulärsten Gletscher der Welt.

Rainer Behrendt: die Anden

Tagelang fahren wir durch die Anden. Wir arbeiten uns die steilsten Berge hinauf: fast 5.000 Meter, dann wieder hinab, die spektakulärsten Serpentinen, die ich je erlebt habe. Die Landschaft wechselt von üppig grünen Tälern zu farbenfrohen Felsformationen. Wir durchqueren riesige Salzplateaus und mondähnliche Vulkanlandschaften. 

Plötzlich meldet sich der Cayenne. Wir haben uns für eine Dieselvariante der zweiten Generation mit 100-Liter-Tank entschieden. Das führt jetzt zu Porsche-untypischen Problemen. Der Dieselpartikelfilter kann aufgrund des geringen Sauerstoffgehalts in dieser Höhe nicht mehr regenerieren. Höhenkrankheit für den Cayenne, Notlaufprogramm, maximal 2.000 Umdrehungen möglich. Der Motor kämpft tapfer, im zweiten Gang bearbeiten wir die Steilpisten, von hinten drängeln Lkw. Und plötzlich sehe ich, dass irgendetwas mit Jan nicht stimmt.

Cayenne, Plaza de las Banderas, Bolivien, Panamericana, 2026, Porsche AG
Vom Eis aufs Salz: Der Cayenne an der Plaza de las Banderas in der Salar de Uyuni, der weltgrößten Salzwüste in Bolivien.

Jan Bongers: Höhenkrankheit

Mir wird ganz anders. Übelkeit, Schwindel, die Gedanken rasen. Das muss die Höhenkrankheit sein, bei schlimmem Verlauf kann das tödlich enden. Zum Glück war ich vorher beim Arzt für Reisekrankheiten und habe Medikamente dabei. Jetzt heißt es: Höhe verlieren. Rainer bringt uns sicher nach San Pedro de Atacama, Erholung in der Oase am Wüstenrand, nur 2.500 Meter Höhe. Nach drei Tagen Kur ist der Spuk vorbei. 

Weiter Richtung Norden, 1.500 Kilometer entlang der Westküste nach Santiago de Chile. Immer noch im Notlaufprogramm, aber auf den Cayenne ist auch in Extremsituationen Verlass. Plötzlich erhalten wir über Social Media eine Nachricht vom chilenischen Porsche Club Andino: Sie wollen uns treffen. Frühstück am nächsten Tag, mein Erstkontakt mit dieser Community. Wir kennen diese Menschen nicht, aber die gemeinsame Leidenschaft verbindet uns. Rainer weiß als Clubpräsident in Mainz um solche Begegnungen, für mich ist es eine Erkenntnis. Diese Clubszene wird uns wohl noch lange begleiten. Durch den Kontakt mit den Einheimischen tauchen wir viel tiefer in die Kultur der Länder ein. Auch wenn wir nur kurz da sind, die authentischen Eindrücke bleiben für immer.

Cayenne, Panamericana, 2026, Porsche AG
Wüstenküste: Seit Jahrtausenden tauchen Menschen an der peruanischen Pazifikküste nach Jakobsmuscheln.
Rainer Behrendt, Jan Bongers, Panamericana, 2026, Porsche AG
Bei einem Ausflug kommen Behrendt und Bongers in den Genuss dieser Tradition.

Rainer Behrendt: Gondeln in La Paz

Versorgungsprobleme in Bolivien. Der Spritverkauf an Ausländer ist staatlich geregelt, für uns gelten andere Preise. Nicht jeder Tankwart kann oder will den Vorgang ordnungsgemäß durchführen. Zudem ist Diesel nicht überall verfügbar. An einem Tag fahren wir sechs Tankstellen ab, bis wir fündig werden. Aber wir kommen durch, durchqueren die Salar de Uyuni, die größte Salzwüste der Welt, und reisen weiter bis La Paz, in die bolivianische Hauptstadt auf 4.000 Meter Höhe. Eine der beeindruckendsten Metropolen, die ich je gesehen habe. Bis vor knapp zehn Jahren war die Bevölkerung noch in zwei Gesellschaftsschichten geteilt: Auf der Hochebene wohnte die oft ärmere, indigene Bevölkerung, unten im Talkessel die Wohlhabenden nahe dem Stadtzentrum. Dann hat man hier ein barrierefreies Seilbahnsystem gebaut, das das tägliche Leben und das soziale Gefüge verändert hat. Wege, die früher eine Stunde in Anspruch nahmen, sind jetzt in zehn Minuten zu bewältigen. Hier zeigt sich, wie kluge Stadtentwicklung das Leben der Menschen verändert.

La Paz, Panamericana, 2026, Porsche AG
Mobilität in 4.000 Metern Höhe: In der bolivianischen Hauptstadt La Paz gehören Gondeln zum Stadtbild – sie verbinden den Talkessel mit der Hochebene.

Jan Bongers: auf den Spuren der Inka

Die Abreise aus La Paz verlangt dem Cayenne alles ab. Seit zwei Wochen fahren wir nun im Notlaufprogramm, mehr als 2.000 Umdrehungen sind immer noch nicht möglich. Aber wir müssen raus aus diesem Kessel. Die Straße führt steil den Berg hinauf, Kurve um Kurve, erster Gang, knapp 10 km/h. Nervenkitzel in Zeitlupe. Noch 1.500 Kilometer bis ins peruanische Lima, die Mechaniker im dortigen Porsche-Zentrum sind schon informiert.

Rainer Behrendt, Jan Bongers, Machu Picchu, Panamericana, 2026, Porsche AG
Ruinenstadt: Machu Picchu in den peruanischen Anden lassen sich die Freunde nicht entgehen. Erst 1911 wurde die im 15. Jahrhundert erbaute Inkastadt wiederentdeckt.

Aufopferungsvoll kümmern sie sich um den Wagen. Noch nie in ihrem Leben haben die Jungs hier einen Cayenne Diesel gesehen. Wir nutzen die Wartezeit und treffen uns mit Luis Fischer, genannt Lucho, Präsident des Porsche Club Perú. Als er hört, dass wir nach Machu Picchu reisen wollen, macht er uns ein Angebot, das wir nicht ausschlagen können. Luis besitzt ein Hotel in der ehemaligen Inka-Hauptstadt Cusco – und organisiert alles für uns. Drei Tage später ist der Cayenne wieder einsatzbereit. Der Dieselpartikelfilter ist regeneriert, eine neue Lambdasonde eingebaut, das Notlaufprogramm Vergangenheit. Durchatmen!

Von Cusco aus nehmen wir wenige Tage später in Begleitung eines Guides die Route nach Machu Picchu. Die einstige Inkastadt in den Anden gehört zu den neuen sieben Weltwundern. Als wir vor den riesigen, vor mehr als 500 Jahren erbauten Terrassen stehen, können wir unser Glück kaum fassen. Es ist eine Reise in die Vergangenheit, in eine andere Welt, in das Reich der Inka. 

Rainer Behrendt: Zwangspause in Ecuador

Nach etwas mehr als 2.000 Kilometern erreichen wir Ecuador – und alles ändert sich schlagartig. Aus Wüste, Staub und Sand in Peru werden Bananenplantagen, tropisches Klima und üppiges Grün. Aus Schotterpisten wird Asphalt. Doch dann meldet sich wieder unser Cayenne: Wir müssen AdBlue nachfüllen, sonst ist bald kein Motorstart mehr möglich.

In Ecuador wissen sie nicht, was mit AdBlue gemeint ist. Eine Harnstofflösung, die bei Dieselfahrzeugen hilft, Stickoxide aus dem Abgas zu entfernen? Haben sie hier noch nie von gehört. Noch knapp 1.000 Kilometer, dann verweigert das System den Motorstart. Damit wir so weit wie möglich fahren können, stellen wir den Motor selbst bei Pausen nicht mehr ab. Zu riskant. Irgendwann erreichen wir ein Hotel im Nirgendwo, fast nichts geht mehr. Die Suche nach AdBlue zieht sich über Tage. Dann erhalten wir einen Hinweis: In Quito, etwa drei Stunden entfernt, habe ein Laden AdBlue vorrätig. Der Wagen lässt sich noch mal starten, die Rettung ist nah.

Rainer Behrendt, Cayenne, Panamericana, 2026, Porsche AG
Das Fahrzeug: Der Cayenne der zweiten Generation wurde mit Offroadreifen und Zusatzscheinwerfern ausgestattet.

Jan Bongers: Pablo Escobars Bruder 

Problem gelöst! Wir reisen weiter, übernachten am Äquator und erreichen schließlich Kolumbien. Wir halten uns an die Empfehlung und bleiben auf den großen Routen, fahren nicht bei Dunkelheit und kommen schließlich in Medellín an. Pablo Escobar hat die Stadt einst zu zweifelhafter Berühmtheit geführt, heute finden wir eine moderne Metropole vor, preisgekrönt für Innovation, Kunst und Technologie. 

Wir wollen tiefer in die Geschichte der Stadt eintauchen. Unser Guide führt uns in das Casa Museo Pablo Escobar. Vor Ort löste das Museum Kontroversen aus, da es auf die Taten des Medellín-Kartells zurückblickt und den Drogenbaron als eine Art Robin Hood verherrlicht. Für uns Europäer dennoch eine interessante Erfahrung. Doch dann nimmt die Kontroverse Gestalt an. Wir schütteln dem Museumsgründer die Hand. Roberto Escobar, Bruder von Pablo und sein Finanzchef, saß mehr als elf Jahre im Gefängnis. Wer hätte schon gedacht, dass wir uns plötzlich in den Händen des Medellín-Kartells befinden? 

Nach Panama City muss man den Wagen verschiffen. Der Darién-Engpass mit Sumpfland und dichtem Regenwald macht eine Durchfahrt unmöglich. Auch in Panama treffen wir Mitglieder des örtlichen Porsche Clubs. Meine Faszination für solcherlei Begegnungen hält an. Von Costa Rica bis nach Honduras: In Mittelamerika ist der Club-Spirit enorm spürbar. 

Rainer Behrendt: Mittelamerika 

In Nicaragua fühlen wir uns nicht willkommen. Was nicht an den Menschen liegt, sondern an der politischen Lage. Schon an der Grenze müssen wir mehrmals unser Auto aus- und einräumen. Drohnen sind nicht erlaubt, also haben wir sie schon vorab per Post nach Honduras geschickt – bis auf die kleine, die werde ich schmuggeln. Dieses Land wird anders regiert als alle bisherigen, Polizeikontrollen sind Alltag. Doch die Einheimischen empfangen uns mit offenen Armen. Zum Beispiel in Estelí: An einem Tag winkt uns ein Pick-up-Fahrer freundlich raus. Er sei schon auf Instagram auf uns aufmerksam geworden. Jetzt lädt uns der Zigarrenfabrikant auf einen Kaffee ein. Dann erhalten wir via Social Media eine Einladung – und stehen am nächsten Morgen in einer kleinen, privaten Bierbrauerei und Limonadenmanufaktur. Wunderbare Momente, die den ersten Eindruck an der Grenze schnell vergessen lassen. 

Nächste Station: El Salvador. Noch vor zehn Jahren gehörte das Land zu den gefährlichsten der Welt. Doch seit einigen Jahren herrscht ein neuer politischer Kurs. Beim Treffen mit dem hiesigen Porsche Club erfahren wir, dass man früher noch mit gepanzerten Fahrzeugen und Security reisen musste, wollte man mit seinem Porsche eine Ausfahrt machen – selbst als Einheimischer. Heute erleben wir eine Nation voller Gastfreundschaft – und wunderschöne Natur. Wir kommen wieder, so viel ist sicher.

Jan Bongers: auf dem Feuerberg

In Guatemala empfiehlt uns Pedro Soles, Präsident des örtlichen Porsche Clubs, eine Tour auf den Vulkan Acatenango, denn von dessen Gipfel hat man die beste Sicht auf den noch aktiven Fuego. Die Zwei-Tages-Tour gehört zu den bisher härtesten und beeindruckendsten Erlebnissen. Im Viertelstundentakt dampft und qualmt der Feuerberg, die Lavamassen sprudeln. Dieses Spektakel mit eigenen Augen zu sehen, fühlt sich unwirklich an. Ein kurzer Moment des Innehaltens, doch schon bald sitzen wir wieder im Cayenne auf dem Weg Richtung Mexiko. Carlos J. Pani Villalobos, Präsident des Porsche Club México, avanciert auf dieser Etappe zu unserem Bodyguard auf der Straße. Als wir in Mexico City einen Highway nehmen wollen, auf dem man die Metropole umfahren kann, leitet er uns per Smartphone durch den Verkehr. Das hektische Treiben macht das Fahren zur Herausforderung – doch unsere Mission treibt uns voran. 

Rainer Behrendt: ab auf die Rennstrecke

Die Einreise in die USA läuft erstaunlich flüssig ab, maximale Freundlichkeit der Grenzer. Doch ab jetzt ist das für uns besonders Exotische vorbei. Was vor allem daran liegt, dass wir uns nun auf bekanntes Terrain begeben. Da wir uns in Mittelamerika Zeit gelassen haben, müssen wir jetzt Gas geben, um unser Ziel rechtzeitig zu erreichen. Doch ein paar Highlights können wir nicht auslassen. Denn an der nordamerikanischen Westküste lebt ein unvergleichlicher Porsche-Spirit. Zeit, ihn auszukosten. In Los Angeles machen wir Halt im Porsche Experience Center und genießen den Offroad-Parcours. Dann weiter nach Laguna Seca, zu einer der legendärsten Rennstrecken. Allen Serban, unser Instrukteur, jagt uns im Taycan über die Rennstrecke – so etwas habe ich noch nie erlebt. Der Ritt inspiriert uns, ebenfalls Gas zu geben, denn in Vancouver sind wir mit meiner Frau verabredet – zu spät kommen ist keine Option.

Cayenne, Alberta Parks, Panamericana, 2026, Porsche AG
Nordamerika: In den USA drücken Behrendt und Bongers aufs Gaspedal, um die 100-Tage-Marke nicht zu überschreiten – in Kanada nehmen sie sich wieder Zeit für einen Christophorus-Fotografen. Während beim Peru-Shooting noch Wüste dominierte, besticht diese Etappe mit üppiger Vegetation.

Jan Bongers: Schlussspurt

In Vancouver genieße ich als Holländer ganz besonders das Fahrradfahren. Doch das Lenkrad wartet, also weiter nach Vancouver Island und hinein in eine unglaublich schöne Vegetation. Schwarz-, Braun- und Grizzlybären kreuzen unseren Weg, Elche und Bisons traben am Straßenrand. Dann wieder Festland, die Rocky Mountains begleiten uns tagelang. Wir legen einen Halt für eine Wanderung am Lake Louise ein und sind uns einig, dass dieses Gebirge zu den absoluten Highlights dieser Reise zählt. 

Im Juni erreichen wir Alaska und passieren den Polarkreis. Es wird nicht mehr dunkel, die Sonne wacht störrisch am Himmel, um Mitternacht taucht sie die Landschaft in goldenes Licht. Weiter nördlich ändert sich die Kulisse: Aus saftigem Grün und Wildblumenwiesen wird eine flache Tundralandschaft. Nachdem wir das Ende der Welt in Ushuaia gesehen haben, beschleicht uns das Gefühl, nun am anderen Ende anzukommen. Unbarmherziges Land, unendliche Weite, unglaublich beeindruckend.

Rainer Behrendt: der Tiefpunkt

Letzte Etappe auf dem Dalton Highway, von Fairbanks nach Deadhorse. Meine Gedanken kreisen. Jan und ich haben nicht nur unsere langjährige Freundschaft auf eine harte Probe gestellt. Wir haben auch meiner verstorbenen Schwiegermutter ein Denkmal gesetzt. Jetzt werden die schweren Erinnerungen von frischen Momenten durchbrochen, die die Last etwas leichter wirken lassen. Etwa die Begegnung in San Diego, als uns ein Mann bewegend erzählte, dass auch er bereits drei Mal in seiner Familie mit ALS konfrontiert war. Der Trucker in Fairbanks, der auf unser Auto aufmerksam wurde und uns beim Frühstück 20 US-Dollar als Spende zusteckte. Oder das Pärchen, das ebenfalls von ALS in der Familie betroffen war – und das unsere Rechnung bezahlte. Und all die Menschen, die einfach den QR-Code am Wagen gescannt und gespendet haben.

Weltweit entsteht Leid durch diese Krankheit. Es kann nicht genug Aufmerksamkeit geben. Deshalb wird für mich der Kampf gegen ALS nicht enden, die Spendenaktion führen wir auch nach der Reise weiter, so viel ist sicher.

Dann erreichen wir Deadhorse. Der Traum ist erfüllt. Doch dieser Moment ist eine absolute Enttäuschung. Allein dieser Ort: ein Containerdorf, ohne klassische Einwohnerschaft, aber mit Tausenden saisonalen Ölarbeitern. Pipelines, Förderanlagen, Industriegebäude und Lastwagen prägen das Bild. Doch wahrscheinlich ist es gar nicht der Ort, der mich deprimiert. Es ist das Ende, das nun naht. Dieser Traum ist gelebt. Was kommt danach? Ich kehre nicht in meinen Job zurück, sondern werde mich umorientieren. Im Gepäck habe ich eine neue Perspektive: Was auch immer die Zukunft bringt, ich will bei meinen Leidenschaften bleiben. So wie auf dieser Reise, von der ich noch meinen Enkelkindern berichten werde.

Jan Bongers, Rainer Behrendt, Cayenne, Panamericana, 2026, Porsche AG
Deadhorse: Vor einem Werkzeughandel ist das offizielle Ende des Dalton Highway – auch das #panamericana100project ist nun mit Sticker verewigt. Auf dem Wagen gut zu sehen: das Motto „Race against ALS“ samt QR-Code, mit dem entlang der Route Spenden generiert wurden.

Jan Bongers: Deadhorse 

Voller Stolz, von Emotionen durchflutet und mit einer zentralen Erkenntnis stehe ich in Deadhorse: Dass wir diesen Traum umsetzen konnten, macht uns zu absoluten Glückspilzen. Heute habe ich das Gefühl, die Welt etwas besser zu verstehen. Ich habe neue Menschen und Blickwinkel kennengelernt. Manche Probleme, die wir zu Hause haben, sind eben keine Probleme. Lange noch werde ich von den Begegnungen dieser Reise zehren. Doch jetzt wartet der Rückweg. Und so langsam reift nach so langer Zeit des Unterwegsseins eine weitere Erkenntnis: Zu Hause ist es auch sehr schön. 

Info

Text erstmals erschienen im Christophorus Magazin, Ausgabe 420 – jetzt verfügbar!

Text: Matthias Kriegel
Bilder: Tobiah Lui, Musuk Nolte, freedom_wanted (Mauritius Images Alamy) und Privat

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Verbrauchsangaben

  • 911 GT3 mit Touring-Paket (WLTP)*: Kraftstoffverbrauch kombiniert: 13,8 – 13,7 l/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 312 – 310 g/km; CO₂-Klasse: G
  • Macan Turbo (WLTP)*: Stromverbrauch kombiniert: 20,6 – 18,3 kWh/100 km; CO₂-Emissionen kombiniert: 0 g/km; CO₂-Klasse: A